Digitales Training & Learning – Wer sich bei der Umstellung von face-to-face auf digitale Trainings Zeit gelassen hat, wird gerade jetzt von anderen überholt.

„Bei uns explodieren die Nachfragen der Mitarbeiter besonders für Online- wie auch Blended-Learning Trainings“, war die Aussage eines Unternehmens, welches gerade bei mir angerufen hatte.

Doch wenn wir ehrlich sind, ist diese Nachfrage in Anbetracht der aktuellen Situation nicht wirklich überraschend. Einige Unternehmen hatten in diesem Bereich den strategischen Weitblick und haben schon vor längerem angefangen, ihre Trainings umzustellen. Andere wiederum dachten, dass sie hier noch lange Zeit haben. Tja, weit gefehlt!

Seit Wochen gibt es nun die Pandemie-Krise, die weltweit Wellen schlägt und Auswirkungen auf alle Bereiche unseres Lebens hat. Besonders jedoch auf unseren Arbeitsbereich. Doch wäre es gerade jetzt nicht auch sinnvoll, diese ungewöhnliche Zeit zu nutzen und auch den Trainingsbereich zu modernisieren bzw. digitalisieren?

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, wie Sie digitale Trainings in Ihrem Unternehmen einführen und dabei auch die Motivation der Mitarbeiter steigern durch zielgruppengerechte sowie alters- und mediengerechte Lernkonzepte.

Was wäre der erste Schritt zu einem digitalen Training & Learning?

Das Mitarbeiter in Zeiten einer Corona-Pandemie (Covid-19) neuen Herausforderungen und Anforderungen gegenüberstehen, die durch Weiterbildung geschult werden sollten, wie z. B. die Führung von virtuellen Teams, steht außer Frage. Doch muss hier wie bei vielen Bereichen des Lernens auch die Motivation und Akzeptanz der Mitarbeiter erzeugt werden. Hilfreich ist neben dem, dass die meisten Mitarbeiter nun schon im Home-Office arbeiten, auch ein didaktisch gut geplanter alters-, wie mediengerechter Mix, wie auch das frühzeitige Einbinden der relevanten Personen in den Implementierungsprozess.

Auf dem Markt findet man ein weites Spektrum an Technologien, die die Trainings für Mitarbeiter einfacher und unkomplizierter gestalten. Vorteil dieser neuen Technologien ist, dass Lernprozesse individuell, flexibel und zu jeder Uhrzeit ortsunabhängig gestaltet werden können. Durch den Einsatz von Software-Lösungen im Berufsalltag setzen Arbeitgeber ein gewisses Grundverständnis und Digitalkompetenzen voraus. Wie Sie als Verantwortlicher E-Learning-Technologien erfolgreich in Ihrem Unternehmen einführen sowie Motivation und Akzeptanz für das Lernen am Computer bei allen Mitarbeitern schaffen können, erfahren Sie hier.

Digitale Trainings im Unternehmen einführen mit Hilfe eines LMS

Die gesamte Belegschaft weiterzubilden, wird mit steigendem Mitarbeiterwachstum immer schwieriger. Schulungsräume müssen zur Verfügung gestellt werden, alle Mitarbeiter müssen ihre Termine so einrichten, dass sie am ausgewählten Tag Zeit haben und müssen zwangsläufig dafür auch ihren Arbeitsplatz verlassen sowie ihre Arbeit an die Kollegen weiterdelegieren. Meist dauern solche In-House Schulungen dann auch mehrere Tage – viel Zeit, die für wichtige Projekte und Aufgaben verloren geht. Neben einem guten Online- wie auch Blended-Learning-Lernkonzept und der Unterstützung durch ein flexibles LMS, können sich Mitarbeiter selbstorganisiert weiterbilden. Vorgesetzte können die Lernerfolge verfolgen und so die Wissensqualität im Unternehmen optimieren.

Definition: Learning Management System (LMS)

Der Begriff Learning Management System wird häufig als synonym zu “Lernplattform” verwendet. Dahinter steckt eine multi-funktionale Softwarelösung, die Ihnen bei der Umsetzung Ihrer Weiterbildungsstrategie behilflich ist. Neben kostenintensiven Produkten gibt es hier auch die Möglichkeit von Open Source-Software, wie z.B. Moodle. Eine Lernplattform stellt Mitarbeitern rund um die Uhr Inhalte und Aufgaben zur Verfügung und ermöglicht so ein einfaches und effizientes Weiterbilden. Jeder Mitarbeiter erhält eigene Login-Daten, mit denen er sich 24 Stunden anmelden und selbstständig Kurse durcharbeiten kann. Viele LMS stellen zudem die direkte Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden wie auch zwischen den Lernenden selbst zur Verfügung.

Definition: Blended-Learning-Lernkonzept

Unter Blended-Learning wird ein hybrider Lernansatz verstanden, der durch eine gute und didaktisch sinnvolle Konzeption, die Vorteile von face-to-face und Online-Lernen zusammenführt. Klassisch werden meist theoretische Lerninhalte Online zur Verfügung gestellt, während bei den Präsenzterminen praktische Übungen intensiv durchgeführt werden.

5 Tipps, um digitale Trainings erfolgreich in Ihrem Unternehmen einzuführen

1. Eine Lernstrategie festlegen: Zuerst sollten Sie festlegen, was Sie langfristig mit der Implementierung einer digitalen Lösung erreichen wollen und in welchen Bereichen sich welche Mitarbeiter weiterbilden sollten. Die Trainings-Strategie sollte von der Unternehmensstrategie abgeleitet werden. Besonders wichtig ist hier der Input der Geschäftsführung, den Key Usern und ggf. den Fachabteilungsleitern. Aus gemeinsamen Gesprächen können Sie ableiten, was für Ihr Unternehmen relevant ist. Wenn Ihnen besonders die Kosten- und Zeitersparnis wichtig ist, kann auch eine reine Online-Lösung in Erwägung gezogen werden. Muss aber die Möglichkeit bestehen, komplizierte Inhalte in einer zusätzlichen Präsenzschulung zu erklären und praktisch zu üben, empfiehlt sich eine Blended-Learning-Lösung.

2. Testrunde starten: Legen Sie einen Zeitraum fest und wählen Sie unter Ihren Mitarbeitern aus, wer die verschiedenen Tools und Trainings testen und Ihnen detailliert Feedback geben soll. Im Idealfall sind die Testnutzer aus verschiedenen Abteilungen und Altersklassen. Halten Sie danach fest: Ist die neue Lösung leicht und intuitiv zu bedienen? Gab es Probleme mit anderen Programmen / Schnittstellen? Fehlen essenzielle Features, die den Erfolg der Lösung negativ beeinflussen? Gibt es entscheidende Vorteile / Nachteile? Setzen Sie sich nach der Testrunde mit den Kollegen und der Geschäftsführung zusammen und diskutieren Sie über die verschiedenen Anbieter. Hier hilft ein im vorab erstellter Anforderungskatalog.

3. Verantwortliche festlegen: Manchmal zieht die Einführung einer neuen digitalen Lösung starke Veränderungen in bereits bestehenden Prozessen nach sich. Erklären Sie Ihren Mitarbeitern Ihre Ziele hinter Ihrer Strategie, um die Akzeptanz so früh wie möglich zu schaffen und stellen Sie die Lösung sowie seinen Nutzen vor. Legen Sie “Learning-Experten” fest, die sich intensiv mit den digitalen Trainings auseinandersetzen, um (neue) Kollegen in der Anfangsphase unterstützen zu können. Hilfreich ist hier eine Dokumentation, in der alle wichtigen Funktionen der E-Learning-Lösung erklärt werden – im besten Fall wird Ihnen eine solche Dokumentation / Handbuch von Ihrem Anbieter zur Verfügung gestellt.

4. Motivation erzeugen: Um Ihre Mitarbeiter stets auf dem neuesten Wissensstand zu halten, ist es wichtig, diesen die neu eingeführte Techniken und Trainings näher zu bringen. Eine ad hoc-Einführung ist hier dringend zu vermeiden. Nehmen Sie Ihre Mitarbeiter soweit wie es geht mit ins Boot, um Widerstände zu minimieren. Weisen Sie deutlich auf die Vorteile einer modernen Lernform hin, wie z.B. die aktive Teilnahme an Interaktionsmöglichkeiten, das orts- und zeitunabhängig Lernen und Weiterbilden. Zudem können Mitarbeiter je nach Wissensstand individuell Kurse bzw. Webinare belegen, was aktuell ein immer größerer Trend im Bereich E-Learning wird (Stichwort Personal Learning). Ein weiterer Vorteil ist der Medienreichtum, der dadurch verschiedene Altersklassen wie auch Lerntypen bedient – Lernplattformen stellen in der Regel Kurse und / oder Lerneinheiten aus verschiedensten Bereichen zur Verfügung, wodurch sich Ihre Kollegen in vielerlei Richtungen weiterentwickeln können.

Eines muss ich in diesem Zusammenhang noch erwähnen: der oft gewünschte “one fits all”-Ansatz im Bereich digitales Training ist rausgeworfenes Geld. Was nützt der hohe finanzielle Einsatz bei E-Learnings, wenn die Mitarbeiter am Ende des Trainings nichts mitnehmen können, da hier bei der Lehrkonzeption das falsche Lehrmedium etc. gewählt wurde? Somit möchte ich heute bei diesem Beitrag Unternehmen u. a. dafür sensibilisieren, den quick-and-dirty-one-fits-all-Ansatz zu überdenken. Denn im Nachhinein zahlen sie als Unternehmen deutlich mehr für die digitalen Trainings der Mitarbeiter.

5. Akzeptanz schaffen – Ängste ernst nehmen: Denken Sie jedoch daran, dass es seitens Ihrer Mitarbeiter zu Kritik und Verwirrung kommen kann. Besonders ältere Mitarbeiter könnten dem Projekt zu Beginn sehr kritisch, fast ängstlich, entgegenstehen. Vor allem, wenn die Lösung nicht intuitiv bedienbar ist und schnell zu Verwirrung führt. Achten Sie bei der Auswahl deshalb auf eine leicht bedienbare Benutzeroberfläche und stellen Sie notwendige Leitfäden zur Verfügung. Ein sogenanntes Buddy-Programm kann positiven Einfluss haben. Ein weiterer Kollege, der die Software gut bedienen und mit dieser arbeiten kann, fungiert als Ansprechpartner (Buddy) für den älteren Kollegen. Dieser kann bei Problemen auf seinen Buddy zukommen und ihn um Hilfe bitten.

Der Einsatz von digitalen Trainings setzt eine klar definierte Lernkultur innerhalb des Unternehmens voraus. Eine sorgfältige Planung und die Kommunikation mit der Geschäftsführung bilden die Basis einer erfolgreichen Implementierung. Um langfristig Mitarbeiter auf dem neuesten Wissensstand zu halten, müssen diese für das Lernen am Computer überzeugt und motiviert werden. Am besten gelingt dies durch die Festlegung ausgewählter Ansprechpartner und eine ausführliche Vorstellung der neuen Plattform bzw. Trainings. Nicht zu vergessen ist die kontinuierliche Erfolgskontrolle. Holen Sie sich hierfür mindestens einmal jährlich von ausgewählten Mitarbeitern und der Geschäftsführung Feedback ein.